Innovatoren - Rollen im Innovationsprozess

Startseite

Grundlagen
Barrieren
 
(Product) Champions
Eigenschaften
Vorgehensweise
Beurteilung
 
Promotorenmodell
Überblick
Umsetzung
Promotoren
Fachpromotor
Machtpromotor
Prozesspromotor
Beziehungspromotor
Gatekeeper
Opponenten
destruktiver Opponent
konstruktiver Opponent




Promotorenmodell



Überblick

Das Promotorenmodell erscheint erstmals 1973 bei Witte [Witte (Promotoren-Modell, 1973)] und hat seitdem einen großen Einfluß auf die deutschsprachige Innovationsforschung. Dieses Konzept betrachtet die Durchsetzung einer Innovation als eine Zusammenarbeit verschiedener Personen, die dabei individuell verschiedene Beiträge leisten.

Im Gegensatz zum monopersonalen Champion-Modell trennt das Promotoren-Modell den Akteur im Innovationsprozess von seiner Funktion. Die Leistungen während des Innovationsprozesses erfolgen arbeitsteilig, wobei die einzelnen Akteure spezifische Leistungsbeiträge erbringen. Dabei stützen sie sich auf so genannte Machtquellen, die es ihnen ermöglichen, den Innovationsprozess gezielt voranzubringen [Hauschildt (Innovationsmanagement, 2004), S. 195 ff.].

Promotoren unterscheiden sich von anderen Organisationsmitgliedern darin, dass sie die Initiative ergreifen und Innovationen aktiv und intensiv fördern. Die Aktivitäten von Promotoren sind von ihrer Persönlichkeit, vom Motivationspotenzial der Innovation als auch von der Art der Promotorenrolle determiniert.

Promotoren überwinden Barrieren

Das Promotorenkonzept ist symmetrisch zum Barrierenkonzept aufgebaut. In der folgenden Tabelle ist dargestellt, welche Promotoren die Aufgabe und Fähigkeit haben (sollten), welche Barieren zu überwinden und welche Machtquellen sie dabei nutzen:

Innovatoren-
Rolle
Typische Barrieren
im Innovationsprozeß
Machtquellen Typische Leistungsbeiträge
Fach-
promotor
  • Fähigkeitsbarrieren ("Barriere des Nicht-Wissens")
  • Objektspezifisches Fachwissen
  • Ideengenerierung
  • Alternativenentwicklung
  • Konzeptevaluierung
  • Informationsbereitstellung
Macht-
promotor
  • Willensbarrieren Hierarchiebarrieren ("Barriere des Nicht-Wollens")
  • Hierarchisches Potenzial
  • Zieldefinition
  • Ressourcenbereitstellung
  • Schutz vor Opponenten
  • Prozessteuerung
Prozess-
promotor
  • Fachübergreifende Fähigkeits- und Abhängigkeitsbar­rieren ("Barriere des Nicht-Dürfens")
  • Organisations-
    ­kenntnis
  • Kommunikations-
    ­fähigkeit
  • Zusammenführung
  • Vermittlung
  • Konfliktmanagement
  • Zielgerichtete Kommunikation
  • Prozesssteuerung
  • Koordination
Beziehungs-
promotor
  • Fachübergreifende Fähigkeits- und Abhängigkeitsbar­rieren
  • ("Barrieren des Nicht-Voneinander-Wissens, Nicht-Miteinander-Dürfens, Nicht-Miteinander-Könnens und Nicht-Miteinander-Wollens")
  • Sozialkompetenz
  • Netzwerkwissen
  • Beziehungsportfolio
  • Informationsaustausch
  • Finden und Zusammenbringen von Interaktionspartnern
  • Koordination
  • Planung und Steuerung von Austauschprozessen
  • Konfliktmanagement
Technolo-
gischer Gatekeeper
  • Wissensbarrieren
  • Zugang zu fachspezifischen Informationen
  • Kontrolle der Informationsflüsse
  • Expertenwissen
  • Meinungsführerschaft
  • Stellt Kontakte her
  • Interpretation fachspez. Informationen

Quellen: Hauschildt (Innovationsmanagement, 2004); Witte (Promotoren-Modell, 1973); Gemünden (Innovationsmarketing, 1981); Hauschildt/Chakrabarti (Arbeitsteilung, 1988); Walter (Beziehungspromotor, 1998); Gemünden/Hauschildt (Promotoren, 1999); Kirchmann (Innovationskooperation, 1994); Folkerts (Promotoren in Innovationsprozessen, 2001); Domsch/Gerpott/Gerpott (Gatekeeper, 1989).

Das Zusammenspiel der Promotoren

Während Witte zunächst jeder Person nur eine Rolle zuordnete (Rollenexklusivität) [Folkerts/Hauschildt (Personelle Dynamik, 2002), S. 8 f.], haben weitere Studien sowohl eine Akkumulation von Rollen in einer Person als auch eine Aufspaltung einer Rolle auf mehrere Personen beschrieben [Witte (Promotoren-Modell, 1973); Kirchmann (Innovationskooperation, 1994); Folkerts (Promotoren in Innovationsprozessen, 2001)].

Insbesondere bei einer dynamischen Betrachtungsweise des Innovationsprozesses bewährt sich das Promotorenmodell als Rollenmodell. Es werden nicht in jeder Phase des Innovationsprojektes dieselben Personen benötigt, aber die Rollen des Macht-, Fach-, Prozess- und Beziehungspromotors sollten in jeder Phase des Prozesses besetzt werden, damit eine Überbetonung der einen oder anderen Rolle ausgeschlossen ist.

Empirisch konnte nachgewiesen werden, dass unbegrenztes, eigenmächtiges Handeln von Promotoren, insbesondere von übermächtigen Machtpromotoren, zu erheblichem Schaden für die betroffenen Organisationen führen kann. So wurden ökonomisch oder technisch gebotene Projektabbrüche verschleppt, Controllinginstrumente durch geschönte Zahlen außer Kraft gesetzt oder gar Qualitätsprüfungen durch gefälschte Testberichte unbrauchbar gemacht [Gemünden/Lechler (Projektabbruch, 1996)]. Bei Innovationsprozessen, in denen nur Machtpromotoren, aber keine Fachpromotoren agierten, kam es zu besonders häufigen und schwerwiegenden Fehlschlägen [Gemünden (Innovationsmarketing, 1981)]. In diesen Prozessen, die deutlich schlechter verliefen als Prozesse ohne Promotoren, wäre es besser gewesen, einen Fachpromotor hinzuziehen – oder abzuwarten, bis die Innovation sich weiter entwickelt und externe Berater konsultiert werden können.

Folkerts [Folkerts (Promotoren in Innovationsprozessen, 2001)] zeigt in ihrer Arbeit, dass es je nach Phase des Innovationsprozesses unterschiedliche Promotorenstrukturen gibt. So sind zu Beginn des Innovationsprozesses vor allem die Machtpromotoren von Bedeutung. Im weiteren Verlauf nimmt die Bedeutung der Prozesspromotoren immer weiter zu und erreicht in der Mitte des Prozesses, während der Entwicklungsphase, ihren Höhepunkt. Der Einfluss der Fachpromotoren ist während aller Phasen konstant.


Umsetzung des Promotorenmodells

Es ist stark von der individuellen Persönlichkeit abhängig, welche Promotorenrolle eine Person übernehmen kann. Nicht jeder lässt sich zu jedem Promotor ernennen. Um erfolgreich Promotoren zu finden, zu fördern und zu binden, ist ein systematisches Konzept erforderlich:



Quellenverzeichnis



Quelle:
Kommentar
Kauf
Buch [1831] Gemünden, H. G. (Innovationsmarketing, 1981): Innovationsmarketing. Innovationsbeziehungen zwischen Hersteller und Verwender innovativer Investitionsgüter, Tübingen 1981. 1831
Artikel aus Buch [1829] Gemünden, H. G. / Lechler, Th. (Projektabbruch, 1996): Der bewusste Projektabbruch - ein verborgener Erfolgsfaktor, in: Schulz/Pfister (Strukturwandel, 1996), S. 351-359. 1829
Buch [1834] Hauschildt, Jürgen (Innovationsmanagement, 2004): Innovationsmanagement, 3. Aufl., München 2004. 1834
Artikel aus Periodika [1835] Hauschildt, J. / Chakrabarti, A. K. (Arbeitsteilung, 1988): Arbeitsteilung im Innovationsmanagement - Forschungsergebnisse - Kriterien und Modelle, in: Zeitschrift Führung und Organisation, 57 (6), S. 378-389. 1835
Buch [1836] Walter, A. (Beziehungspromotor, 1998): Der Beziehungspromotor. Ein personaler Gestaltungsansatz für das Relationship Marketing, Wiesbaden 1998. 1836
Buch [1828] Folkerts, L. (Promotoren in Innovationsprozessen, 2001): Promotoren in Innovationsprozessen. Empirische Untersuchung zur personellen Dynamik, Wiesbaden 2001. 1828
Buch [1827] Kirchmann, E. M. W. (Innovationskooperation, 1994): Innovationskooperation zwischen Herstellern und Anwendern, Wiesbaden 1994. 1827
Buch [1056] Gemünden, Hans Georg / Hauschildt, Jürgen (Hrsg.) (Promotoren, 1999): Promotoren - Champions der Innovation, 2. Aufl., Wiesbaden 1999. 1056
Buch [1757] Witte, Eberhard (Promotoren-Modell, 1973): Organisation für Innovationsentscheidungen - Das Promotoren-Modell, Göttingen 1973. 1757
Buch [1825] Hauschildt, J. (Innovationsmanagement, 2004): Innovationsmanagement, 3. Aufl., München 2004. 1825
Artikel aus Periodika [1826] Folkerts, L. / Hauschildt, J. (Personelle Dynamik, 2002): Personelle Dynamik in Innovationsprozessen - neue Fragen und Befunde zum Promotoren-Modell, in: Die Betriebswirtschaft, 62 (1), S. 7-23. 1826
Buch [95] Domsch, Michel / Gerpott, Heike / Gerpott, Torsten J. (Gatekeeper, 1989): Technologische Gatekeeper in der industrielle F&E - Merkmale und Leistungswirkungen, Stuttgart 1989. 95




Autoren: Gemünden, Hans Georg / Hölzle, Katharina Ausdruck: Welchseln Sie zur Druckansicht
Kapitel: Innovatoren
Abschnitt: Promotorenmodell
Zitatzeile:
Gemünden, Hans Georg / Hölzle, Katharina (2011): Innovatoren - Promotorenmodell, online im Internet unter URL: http://www.innovationsmanagement.de/innovatoren/promotorenmodell.html (01. 02. 2011).
 
© 1997-2011 HARLAND media - innovationsmanagement.de